Café Abraham Nr. 35: Katholische Grundlagen für den interreligiösen Dialog

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Das 35. Café Abraham in Erlangen beschäftigte sich heute mit katholischen Grundlagen für einen interreligiösen Dialog. Wolfgang Epple, studierter katholischer Theologe aber bekennender Atheist, referierte hierzu zunächst über christlichen Glauben in den 1950er Jahren in seiner Kindheit, um anschließend auf Neuerungen des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) einzugehen. Im Folgenden werden einige der dort verfassten Positionen zum Umgang mit nicht-christlichen Religionen zusammengefasst wiedergegeben.

Neuerungen des II. Vatikanischen Konzils

Die Katholische Kirche begreift sich weiterhin als die wahre Kirche und das katholische und apostolische Glaubensbekenntnis als den „Königsweg“ zu Gott. Allerdings ändert die Kirche ihren grundsätzlichen Blickwinkel auf außerkatholische Konfessionen und nicht-christliche Religionen: „Das schließt nicht aus, dass außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind“. Und weiter „Der Heilswille umfasst aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslime, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird.“

Interessanterweise beschränkt sich die Katholische Kirche nicht auf Schriftreligionen: „Aber auch den anderen, die in Schatten und Bildern den unbekannten Gott suchen, auch solchen ist Gott nicht ferne, da er allen Leben und Atem, und alles gibt (vgl. Apg 17,25-28) und als Erlöser will, dass alle Menschen gerettet werden (vgl. 1 Tim 2,4). Obwohl der Weg durch Jesus Christus der sichere Weg zum Heil sei, könnten auch andere Glaubensvorstellungen zum Heil führen: „Wer nämlich das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluss der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen“.

Ein Novum ist die Erklärung über die Religionsfreiheit (Digitatis Humanae): „Das Vatikanische Konzil erklärt, dass die menschliche Person das Recht auf religiöse Freiheit hat“. Vergangene Gewalt im Namen der Kirche werden als der Botschaft des Evangeliums entgegenstehend erklärt.

In der Konstitution über die göttliche Offenbarung (Dei Verbum) gibt sich die Kirche bescheiden, denn Gott habe „in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen … Um die Aussageabsicht der Hagiographien zu ermitteln, ist neben anderem auf die literarischen Gattungen zu achten. Denn die Wahrheit wird je anders dargelegt und ausgedrückt in Texten von in verschiedenem sinn geschichtlicher, prophetischer oder dichterischer Art, oder in anderen Redegattungen“. Die Interpretation der Heiligen Schrift sei „den Bedingungen seiner Zeit und Kultur entsprechend“ zu erfolgen.

Das II. Vatikanische Konzil stellte zudem die Weichen für die christliche Ökumene (Unitatis redintegratio) mit den evangelischen und orthodoxen Kirchen.

Nostra Aetate – „„Erklärung über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“

Am Ende des II. Vatikanischen Konzils wurde am 28. Oktober 1965 durch Papst Paul VI rechtskräftig verkündet. Wegen ihrer aktuellen Wichtigkeit werden die Positionen zu Muslimen und Juden komplett zitiert:

Die muslimische Religion

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

Die jüdische Religion

4. Bei ihrer Besinnung auf das Geheimnis der Kirche gedenkt die Heilige Synode des Bandes, wodurch das Volk des Neuen Bundes mit dem Stamme Abrahams geistlich verbunden ist.

So anerkennt die Kirche Christi, daß nach dem Heilsgeheimnis Gottes die Anfänge ihres Glaubens und ihrer Erwählung sich schon bei den Patriarchen, bei Moses und den Propheten finden.

Sie bekennt, daß alle Christgläubigen als Söhne Abrahams dem Glauben nach (6) in der Berufung dieses Patriarchen eingeschlossen sind und daß in dem Auszug des erwählten Volkes aus dem Lande der Knechtschaft das Heil der Kirche geheimnisvoll vorgebildet ist. Deshalb kann die Kirche auch nicht vergessen, daß sie durch jenes Volk, mit dem Gott aus unsagbarem Erbarmen den Alten Bund geschlossen hat, die Offenbarung des Alten Testamentes empfing und genährt wird von der Wurzel des guten Ölbaums, in den die Heiden als wilde Schößlinge eingepfropft sind (7). Denn die Kirche glaubt, daß Christus, unser Friede, Juden und Heiden durch das Kreuz versöhnt und beide in sich vereinigt hat (8). Die Kirche hat auch stets die Worte des Apostels Paulus vor Augen, der von seinen Stammverwandten sagt, daß „ihnen die Annahme an Sohnes Statt und die Herrlichkeit, der Bund und das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißungen gehören wie auch die Väter und daß aus ihnen Christus dem Fleische nach stammt“ (Röm 9,4-5), der Sohn der Jungfrau Maria.

Auch hält sie sich gegenwärtig, daß aus dem jüdischen Volk die Apostel stammen, die Grundfesten und Säulen der Kirche, sowie die meisten jener ersten Jünger, die das Evangelium Christi der Welt verkündet haben.

Wie die Schrift bezeugt, hat Jerusalem die Zeit seiner Heimsuchung nicht erkannt (9), und ein großer Teil der Juden hat das Evangelium nicht angenommen, ja nicht wenige haben sich seiner Ausbreitung widersetzt (10). Nichtsdestoweniger sind die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt um der Väter willen; sind doch seine Gnadengaben und seine Berufung unwiderruflich (11). Mit den Propheten und mit demselben Apostel erwartet die Kirche den Tag, der nur Gott bekannt ist, an dem alle Völker mit einer Stimme den Herrn anrufen und ihm „Schulter an Schulter dienen“ (Soph 3,9) (12).

Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.

Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben (13), kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.

Gewiß ist die Kirche das neue Volk Gottes, trotzdem darf man die Juden nicht als von Gott verworfen oder verflucht darstellen, als wäre dies aus der Heiligen Schrift zu folgern. Darum sollen alle dafür Sorge tragen, daß niemand in der Katechese oder bei der Predigt des Gotteswortes etwas lehre, das mit der evangelischen Wahrheit und dem Geiste Christi nicht im Einklang steht.

Im Bewußtsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche, die alle VerfoIgungen gegen irgendwelche Menschen verwirft, nicht aus politischen Gründen, sondern auf Antrieb der religiösen Liebe des Evangeliums alle Haßausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben. Auch hat ja Christus, wie die Kirche immer gelehrt hat und lehrt, in Freiheit, um der Sünden aller Menschen willen, sein Leiden und seinen Tod aus unendlicher Liebe auf sich genommen, damit alle das Heil erlangen. So ist es die Aufgabe der Predigt der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der universalen Liebe Gottes und als Quelle aller Gnaden zu verkünden.“

Die vollständige Nostra Aetate können Sie hier lesen.

Schlussfolgerung: Breite katholische Grundlage für interreligiösen Dialog

Das II. Vatikanische Konzil liefert dem interreligiösen Dialog ein breites Fundament. Dies sollte noch stärker in den christlichen Gemeinden und an der christlichen Basis kommuniziert werden. Gerade in Zeiten des Terrors und der Polarisierung sind Gläubige, die für solche Grundsätze eintreten, von besonderer Wichtigkeit. Das Café Abraham wird das II. Vatikanische Konzil und die Nostra Aetate für das Bemühen um ein Miteinander in unserem Land auch in Zukunft rezipieren.

 

 

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