Lesetipp zu Weihnachten

Eine kurze religionswissenschaftliche Anregung zum Lesen von Wolfgang Epple:
Die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium ist genauer besehen gar kein romantischer, sondern ein ziemlich politischer Text:
„Vertraute weihnachtliche Motive von der Geburt des Retters und „Heilands“, der „Frieden auf Erden“ bringt, der von einer „Jungfrau“ geboren ist und dessen Zeichen ein „Stern“ ist – waren in der Zeit, als die Evangelien des Neuen Testamentes entstanden, gut bekannt – unter anderem aus dem römischen Kaiserkult. Eine Inschrift, die im Jahr 9 vor Christus für eine Kalenderreform der Städte Kleinasiens in dem Ort Priene veröffentlicht wurde, spricht die Sprache des Kaiserkultes: Dort ist die Geburt des Kaisers Augustus, des „Sohnes Gottes“, eine „Gottesgeburt“, die den „Heiland“ bringt und „Frieden“ schafft – der Anfang – so wörtlich auf Griechisch – aller „Evangelien“. Mit dem Geburtstag des Kaisers soll die neue Zeitrechnung beginnen.
Auf dieser „Kalenderinschrift von Priene“, die 1899 aus einer Ausgrabung in die Antikensammlung nach Berlin kam, ist die Nähe zwischen der biblischen Erzählung von der Geburt Christi und dem Kaiserkult mit Händen zu greifen. Die neutestamentlichen Schriften deuten das alles um: Die Christus-Geburt übertrifft den Kaiser, das heilige Evangelium ist ein ganz anderes als das kaiserliche „Evangelium“ vom blutigen Sieg-Frieden, mit dem die römischen Kaiser die Welt unterwerfen“:
Dem entspricht übrigens dass die  Himmelfahrt Jesu am Ende des Lukasevangeliums deutliche Anklänge an die Himmelfahrt des Romulus (Stadtgründer Roms) des Schriftstellers Livius zeigt.
Und warum stehen ein Ochse und ein Esel an der Krippe, obwohl bei Lukas nur Hirten und ihre Schafe erwaehnt werden? Pate stand wohl ein alttestamentlicher Vers:
  „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“ (Jes 1,3 EU)
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