Jahresrückblick 2015

Das Jahr 2015 war ein bewegendes, trauriges, grausames, trennendes, verbindendes, Hoffnung schöpfendes und in jedem Falle turbulentes Jahr. Direkt zu Jahresbeginn, am 7. Januar 2015, gab es die grausamen Anschläge auf Charlie Hebdo und danach auf einen jüdischen Supermarkt. Dieser Terror, dessen Schockwellen in Deutschland ganz deutlich zu spüren waren, veranlasste uns auch außerhalb unseres wöchentlichen Lesezirkels aktiv zu werden. Da derartiger Terrorismus im Namen einer Religion zwangsläufig zu Bruchstellen in der Gesellschaft führt, sehen wir als Café Abraham es als unsere Aufgabe, solche Bruchstellen nach unseren Möglichkeiten zu kitten. Daher bildeten wir ein Interventionsteam und gingen gemeinsam mit Hunderten Bürgerinnen und Bürgern gegen Terrorismus und Hass auf die Straße.

CA Demonstration 1

Unsere Botschaft ist daher klar: „Juden, Muslime und Christen gemeinsam gegen Terror und Hass“. Diese Botschaft ist vielseitig: Für die Mehrheitsgesellschaft ist es ein sichtbares Statement von Muslimen, sich gegen religiösen Extremismus, Terrorismus und für ein Zusammenleben mit Juden, Christen ua. zu wenden und das laut zu sagen. Für Muslime ist das gemeinsame Auftreten ein Zeichen, dass sie nicht in Sippenhaft genommen und mit den Terroristen in einen Topf geworfen werden.

In unserem wöchentlichen Lesezirkel im Erlanger Teehaus konnten wir zahlreiche neue Gesichter beim interreligiösen Dialog begrüßen. Wir lasen zahlreiche Texte zu religiösen Feiertagen, Ereignissen, uvm., schauten dabei auch in die arabischen, hebräischen und griechischen Originaltexte und diskutierten in einer freien und ungezwungenen Atmosphäre. Dabei kommt stets alles auf den Tisch. Bei uns gibt es keine Denkverbote und Schranken.

Cafe Abraham mit Neuen
Das Café Abraham trifft sich jeden Sonntag 14:30 Uhr im Grünen Raum im Erlanger Teehaus

Der nicht abreißende IS-Terror, das Bedürfnis der Gesellschaft nach Klarstellung und Aufklärung, das Erstarken der islamfeindlichen PEGIDA-Bewegung und der massive Rechtsruck der AfD nach dem Austritt von Bernd Lucke veranlasste uns, unser Angebot weiter auszubauen. Neben dem Interventionsteam bauen wir derzeit ein Referententeam auf, dessen Mitglieder bereits regelmäßig Vorträge halten. Zum Beispiel bei der von der Muslimischen Studierenden Gemeinde Erlangen (MSG) organisierten Extremismustagung am 6. Juni 2015 traten mit dem Kulturgeographen und Gefängnisseelsorger El Hadi Khelladi, dem Arabisten und Journalisten Benjamin Moscovici, dem Islamwissenschaftler und wissenschaftlichen Mitarbeiter der al-Azhar Universität Mahmoud Abushuair und dem Islamwissenschaftler und Journalisten Fabian Schmidmeier vier Referenten des Café Abraham gemeinsam bei einer Veranstaltung auf.

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Unsere Referenten sind zudem auch an anderen Stellen als Seminarleiter und Vortragende tätig, so zum Beispiel für das Deradikalisierungsprogramm derad.org oder die Hanns Seidel Stiftung.

Die massive Flüchtlingskrise stellt unser Land seit Mitte 2015 vor enorme, nie dagewesene Herausforderungen. Zahlreiche Mitglieder des Café Abraham helfen an unterschiedlichen Stellen als Übersetzer oder Freiwillige. Die Angriffe auf Flüchtlingsheime, der stark polarisierte öffentliche Diskurs und das Erstarken rechtsradikaler Positionen zeigen uns, dass wir nicht aufhören dürfen für unsere Anliegen zu werben, aufzuklären und in die Zivilgesellschaft zu wirken.

Die grausamen Anschläge in Paris am Rande des Länderspieles Deutschland:Frankreich schockierten uns. Erneut war es dem IS gelungen Dutzende Menschen zu ermorden. Daher gingen wir in spontanen Mahnwachen auf die Straße, um der Ermordeten zu gedenken, Frankreich unsere Solidarität zu zeigen und gemeinsam Flagge zu zeigen gegen islamistischen Terrorismus.cropped-ca2-2.jpg

Bei der Demonstration der Stadt Erlangen „Menschenwürde = Unantastbar!“ beteiligte sich das Café Abraham als Träger. Neben den Menschenrechten war es unser gezieltes Anliegen für das System Bundesrepublik Deutschland und unsere Demokratie zu demonstrieren. Wir zeigen, dass wir alle zu Deutschland gehören und ALLE das Volk sind, entgegen der Botschaft von AfD und Pegida. Zudem haben wir jetzt auch bekennende Atheisten mit theologischer Ausbildung in unseren Reihen und umfassen damit nicht ausschließlich religiöse Menschen.

CA Demo Rathausplatz 2

Für das Jahr 2016 planen wir unser Angebot, insbesondere das der Referenten, auszubauen. Unser Team soll größer werden und neue Ableger des Café Abraham in anderen Städten gegründet werden. Kaiserslautern hat bereits neben Erlangen das zweite Café Abraham und es laufen Verhandlungen mit mehreren Universitätsstandorten.

Wir machen weiter, wir werden miteinander sprechen und diskutieren, wir werden referieren und Wissen vermitteln und uns durch niemanden aus dem Konzept bringen lassen. Wir, Juden, Muslime, Christen und Atheisten, wir halten zusammen! Erlangen  zeigt wie’s geht: Dialog – Zivilgesellschaft – Demokratie.

Das Café Abraham wünscht einen guten Rutsch ins neue, hoffentlich friedlichere, Jahr 2016!

El Hadi Khelladi, Fabian Schmidmeier, Benjamin Moscovici (Vorstand des Café Abraham)

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