Warum wir für die Möglichkeit der Religiosität an Universitäten eintreten

Von Jad Lehmann-Abi Haidar (Avicenna-Studienwerk) und Fabian Schmidmeier (Hanns-Seidel-Stiftung)

Bei den Dialogperspektiven haben wir uns im Rahmen der Arbeitsgruppe „Religion und Gesellschaft im Diskurs: Herausforderungen, Kontroversen, Perspektiven“ unter Leitung von Prof. Musall mit dem Thema „Religion im öffentlichen Raum“ beschäftigt. Dies umfasste dabei auch die Diskussion um Beschneidung, Schächtung und das Tragen des Kopftuchs – allesamt Beispiele von öffentlichen Debatten, die im Rahmen von hegemonialen Strukturen ausgetragen werden, in denen die Machtverhältnisse nicht ausgewogen sind. Ein Fallbeispiel, mit dem sich unsere Gruppe näher beschäftigt hat, ist die Debatte um „Räume der Stille“ an deutschen Universitäten. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Ort, der offen sein soll für Rückzug, Meditation, Besinnung, Gebete und weitere rituelle Handlungen.

Artikel 4 GG, Absatz 2: Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Debatte um Gebetsräume

Zu Beginn dieses Jahres richtete sich die mediale Aufmerksamkeit auf die TU Dortmund, nachdem dort der „Raum der Stille“ ausschließlich als Gebetsraum zweckentfremdet wurde. Im Laufe dieser Debatte um Neutralität öffentlicher Räume, Geschlechterrollen und religiöse Artikulation entschloss sich die Universitätsleitung zur Schließung des Raumes. Der Fokus der medialen Berichterstattung richtete sich in der Folgezeit zunehmend auf die generelle Frage, ob religiöse Artikulation im Hochschulalltag Platz haben sollte.

Unserer Meinung nach besteht dieser Bedarf: Die religiöse und kulturelle Diversität  der Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an deutschen Universitäten nimmt seit vielen Jahren stetig zu. Existieren diese Räume nicht, können sie ihre religiöse Praxis nicht ausüben oder weichen auf nicht dafür geeignete Orte wie z.B. Bibliotheken und Hausflure aus. Für uns ist die Frage nicht ob, sondern wie solch ein Raum konzipiert werden kann – ein Konzept, das religiöse und weltanschauliche Pluralität anerkennt und gleichzeitig Aushandlungsprozesse zulässt und fördert. Wir haben uns auf folgende Grundsätze verständigt:

Hier das Konzept als PDF: Räume der Stille an Universitäten – ein Angebot zur Entschärfung der öffentlichen Diskussion um Religion in Deutschland

Für gelebte Religiosität im säkularen Rahmen

Deutschland ist ein säkularer Staat, so wie die Universitäten säkulare Räume sind. Doch diese Säkularität heißt nicht Religionslosigkeit oder gar –feindlichkeit. Säkularität im deutschen Sinne heißt religionsoffene Neutralität und Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften. Religiöse Menschen streifen ihre Religiosität nicht mit dem Betreten der Universitäten ab. Die gänzliche Verbannung von Religiosität aus Universitäten empfinden wir als eine Form der Diskriminierung. Glaubende und Nichtglaubende sollte also gleichermaßen ihren Platz in einer säkularen Universität haben, weil sie gleichermaßen zu dieser Gesellschaft gehören. Daher werben wir für dieses Konzept und für Räume der Stille an deutschen Universitäten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s