„Ich sagte zuweilen, dass ich Deutscher sei, doch das wollte keiner hören“

Persönliche Worte von Ahmet, the Poet zu Identitäts- und Loyatlitätsdebatten in Deutschland, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten

Als ich im Alter von 6 gefragt wurde, ob ich Deutscher oder Türke sei, antwortete ich immer Deutscher. Keiner meiner Familie konnte mich vom Gegenteil überzeugen. Als ich älter wurde, wurde ich ohne Unterlass von meinen deutschstämmigen Mitmenschen Türke genannt. Ich sagte zuweilen, dass ich Deutscher sei, doch das wollte keiner hören. Als ich von da an Türke war, hieß es, nachdem Sarrazin sein Buch veröffentlichte, ich solle mich zu Deutschland bekennen… ja was denn nun? Und jetzt sagen meine Mitmenschen eines: Wenn ich dich nicht kennen würde, würde ich glauben, du seiest Salafist. Aber ich kenne dich und du kennst ja Goethe und so, also bist du ein Deutscher. „Elendig in beiden Welten ist, derjenige der ein Herz bricht.“ – Yunus Emre, türkischer Nationaldichter. 

Wenn ich sage, dass ich türkisch spreche, höre ich nichts. Wenn ich sage, dass ich spanisch verstehe und englisch spreche und verstehe, werde ich gelobt. HIER läuft etwas gehörig schief nicht in den Köpfen, sondern in den Herzen… aber keiner ist selbstkritisch. Alleine die deutschstämmigen Muslime haben mich immer vorbehaltlos akzeptiert, selbst wenn sie nicht erfahren, dass ich sprachlich versierter bin. Doch gerade diese deutschstämmigen Muslime werden selbst oft ausgestoßen und manche verheimlichen ihren Glauben gar – wieso berichtet niemand darüber?

Bin ich etwa nur etwas Wert, weil ich besondere sprachliche Fähigkeiten besitze? Ansonsten nicht? Zu solch einer Gesellschaft möchte ich ungern gehören. Es sei denn, sie eignet sich höhere Werte an, die, von denen Lessing spricht, aber der scheint ausgestorben.

Kommentiert: Die fragwürdigen „Islam-Analysen“ von Al Hayat TV – „Allah verbietet die Reform des Islam“

Abrahamic Studies

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Al Hayat TV ist ein Internetkanal, der vor allem durch Ex-Muslime betrieben wird. Vielen dieser Ex-Muslime ist in der Vergangenheit im Namen des Islam viel Leid angetan worden. Heute liefern sie Analysen, mit denen sie über das „wahre Gesicht“ des Islam aufklären möchten. Doch mit wissenschaftlicher Analyse hat das wenig zu tun.

Vielmehr greifen jetzt Seiten wie der Islamhasser-Blog Politically Incorrect gern auf diese Videos zurück. Diesen liefern die Protagonisten von Al Hayat TV, allen voran Sabatina James oder der Ex-Salafist Barino Barsoum, scheinbare Analysen islamischer Primärliteratur, die zum Beispiel die Falschbehauptung von Islamfeinden untermauern, dass Muslime eine „Erlaubnis zum Lügen“ (Taqiyya, was eigtl. eine andere Bedeutung hat) gegenüber Nichtmuslimen hätten. Bei einem neuen Video von Barino kann die bewusste Unsauberkeit in der Analyse verdeutlicht werden. Das Video heißt „Allah verbietet die Reform des Islam“. Im Titel steckt bereits das Ergebnis, das einem vernichtenden Urteil gleichkommt: Der Islam sei dazu…

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Pluralismus – verbindliche Werte – Utopie?

Ein Gastbeitrag von Volker Grunert

(Überarbeitetes Skript eines Vortrages anlässlich der feierlichen Abendveranstaltung zur Präsentation der Ergebnisse des ersten Dialogperspektiven-Jahres 2015/16 im Großen Saal des Jüdischen Museums in Berlin am 29.05.2016.)

 

Meine Damen und Herren,

 

Verglichen mit den dominierenden Deutungen des Weltgeschehens wirkt das Nachdenken über Pluralität wie eine Utopie, wie eine nicht weiter bedeutende schöngeistige Unternehmung. Die aktuelle mediale Öffentlichkeit ist von etwas bestimmt, das Carl Schmitt, seines Zeichens Chefjurist des faschistischen Deutschlands, wie folgt auf den Punkt gebracht hat: Die Feindschaft ist das Wesen des Politischen, die Unterscheidung zwischen Freund und Feind sein Kriterium.
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Islam in Bayern

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Moslem sein und bayerisches Volkstum? Geht das überhaupt zusammen? Ja, sagen wir vom Café Abraham. Auf dem ersten Bild seht ihr unseren Bundesvorsitzenden El Hadi Khelladi, Sohn einer deutschen Mutter und eines marokkanischen Vaters, beim Ritualgebet. Das Bild ist nicht gestellt, es war aber so aussagekräftig, dass wir ihn einfach fotografiert haben. Die Veränderungen in diesem Land verlaufen schnell, für viele vielleicht zu schnell, aber wir sehen das als etwas Normales, und damit auch muslimisches Leben in Deutschland. Wir wollen das Beste draus machen, vergessen dabei aber die langen Traditionen nicht, die dieses Land prägen, sondern lieben und pflegen sie, egal welcher Herkunft wir sind. Wir ALLE gehören zu Deutschland und mit uns allen auch unsere Religionen!