Hohler Burka-Populismus

Fabian Schmidmeier

„Endlich mal etwas machen“. So wirkt für viele das neue Positionspapier der Berliner Erklärung, das von den CDU/CSU-Innenministern getragen wird. Darin werden sowohl ein Burka-Verbot, als auch ein Ende der doppelten Staatsbürgerschaft gefordert. In der emotionalen Debatte kann schnell der Eindruck entstehen, diese Innenminister würden „endlich einmal etwas gegen den Terror tun“.

Doch, es  geht ihnen nicht um eine wirksame Bekämpfung von extremistischem Islamismus, sondern darum, Emotionen in der Masse einzufangen und zu Wählerstimmen zu machen. Mehr nicht. Im Bereich der Deradikalisierungsarbeit und der Radikalisierungsprävention wissen wir, welche Hauptprobleme Jugendliche in die Arme der Extremisten treiben: Drogen- und Kriminalitätsprobleme, zerrüttete Familienverhältnisse plus Identitätskrise, Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen (ob nun echt oder nur wahrgenommen). Sicherlich gehört dazu nicht die doppelte Staatsbürgerschaft.

Auch die Burka ist in Deutschland kein relevantes Problem. Ich jedenfalls habe noch nie eine Burka hierzulande gesehen. Wenn überhaupt einen Niqab, aber unsere „Hüter von Recht und Ordnung“ haben scheinbar so oberflächliches…

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„Ich sagte zuweilen, dass ich Deutscher sei, doch das wollte keiner hören“

Persönliche Worte von Ahmet, the Poet zu Identitäts- und Loyatlitätsdebatten in Deutschland, die wir uns alle zu Herzen nehmen sollten

Als ich im Alter von 6 gefragt wurde, ob ich Deutscher oder Türke sei, antwortete ich immer Deutscher. Keiner meiner Familie konnte mich vom Gegenteil überzeugen. Als ich älter wurde, wurde ich ohne Unterlass von meinen deutschstämmigen Mitmenschen Türke genannt. Ich sagte zuweilen, dass ich Deutscher sei, doch das wollte keiner hören. Als ich von da an Türke war, hieß es, nachdem Sarrazin sein Buch veröffentlichte, ich solle mich zu Deutschland bekennen… ja was denn nun? Und jetzt sagen meine Mitmenschen eines: Wenn ich dich nicht kennen würde, würde ich glauben, du seiest Salafist. Aber ich kenne dich und du kennst ja Goethe und so, also bist du ein Deutscher. „Elendig in beiden Welten ist, derjenige der ein Herz bricht.“ – Yunus Emre, türkischer Nationaldichter. 

Wenn ich sage, dass ich türkisch spreche, höre ich nichts. Wenn ich sage, dass ich spanisch verstehe und englisch spreche und verstehe, werde ich gelobt. HIER läuft etwas gehörig schief nicht in den Köpfen, sondern in den Herzen… aber keiner ist selbstkritisch. Alleine die deutschstämmigen Muslime haben mich immer vorbehaltlos akzeptiert, selbst wenn sie nicht erfahren, dass ich sprachlich versierter bin. Doch gerade diese deutschstämmigen Muslime werden selbst oft ausgestoßen und manche verheimlichen ihren Glauben gar – wieso berichtet niemand darüber?

Bin ich etwa nur etwas Wert, weil ich besondere sprachliche Fähigkeiten besitze? Ansonsten nicht? Zu solch einer Gesellschaft möchte ich ungern gehören. Es sei denn, sie eignet sich höhere Werte an, die, von denen Lessing spricht, aber der scheint ausgestorben.

Wir gedenken Marwa El-Sherbini!

Heute vor sieben Jahren wurde unsere muslimische Mitbürgerin Marwa El-Sherbini in einem Gerichtssaal in Dresden erstochen. Das Motiv des Täters war Islamfeindlichkeit. Der Fall erhielt in den deutschen Medien kaum Aufmerksamkeit. Um ihr würdig zu gedenken und auf dieses gravierende Problem in Deutschland aufmerksam zu machen, begehen unterschiedliche Gruppen jährlich den „Tag gegen antimuslimischen Rassismus“. Es ist die Aufgabe von uns als Zivilgesellschaft gegen diesen Hass vorzugehen und dafür zu sorgen, dass Menschen wie Marwa nicht vergessen werden.

Dr. Sabine Schiffer fand hierzu passende Worte:


„Der heimtückische Mord an Marwa El-Sherbini und ihrem ungeborenen Kind, der ignorierte Drohbrief des Mörders ans Gericht, der Schuss auf den Ehemann statt den Mörder mahnen uns, wachsam zu sein gegen Rassismus – dieser scheint hier durch alle Ebenen des staatlichen Versagens. Marwa starb nicht nur durch die Messerstiche eines Islamhassers, sondern auch durch die Versäumnisse der Gesellschaft um sie herum, antimuslimischen Rassismus zu erkennen, ihre konkrete Bedrohtheit ernst zu nehmen und sie zu schützen.“

#Rassismustötet #Islamfeindlichkeit

Michael Blume zu Wolfgang Gedeon (AfD), die Protokolle der Weisen von Zion und die Gefährlichkeit von Verschwörungstheorien

Bildschirmfoto 2016-06-30 um 23.02.03Die „Protokolle der Weisen von Zion“ werden zu den verhängnisvollsten Fälschungen der Weltgeschichte gezählt. Angesichts der Äußerungen eines AfD-Landtagsabgeordneten zu einer angeblich „zionistisch-freimaurerischen Weltverschwörung“ klärte der Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume am 22.06.2016 bei der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) im jüdischen Gemeindezentrum Stuttgart über die Geschichte und Wirkung der „Protokolle“ auf.