Die Ritualstruktur am Beispiel des Semâ-Rituals der Mevlevῑ-Derwische

cover simonIn einer überwiegend profanen Gesellschaft haben Riten und Rituale einen weitgehend archaischen Charakter und werden oft in den Bereich der Mythen und der Religion verwiesen. Sie sind meist schwer verständlich, undurchsichtig und daher dem Alltagsbewusstsein unzugänglich. Doch auch in modernen säkularen Gesellschaften spielen Rituale eine sehr wichtige Rolle z.B. in Form von Trauerritualen. Sie sind wesentlich für den Aufbau, Erhalt und Genese sozialer Ordnung. Individuelle und soziale Krisen werden durch Rituale aufgefangen und bieten durch eine vorgegebene Form die Möglichkeit der Bewältigung. Ein Leben in der Gesellschaft –ob säkular oder religiös– ist ohne Rituale nicht denkbar. Sie ziehen sich wie ein roter Faden durch die Textur gesellschaftlichen Lebens. Im ersten Teil der vorliegenden Seminararbeit liegt der Fokus auf der Definition und der Struktur des Ritualgeschehens. Jedes Ritualkomplex hat eine allgemeine, eventuell universale Grundstruktur, die je nach Art des Rituals unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Grundlegende Arbeiten zu der Thematik liefern die Ethnologen Arnold van Gennep und Victor Turner. In seinem 1909 erschienenen Hauptwerk ‹‹Übergangsriten›› beschreibt van Gennep das den Ritualen zugrundeliegende Strukturschema und damit auch die Sequenz der einzelnen Phasen des Rituals. Victor Turner greift das Strukturschema auf und entwickelt es weiter. Er zeigt, dass während der liminalen Phase des Rituals ein spezifischer Zustand vorherrscht, der „fern von den im Alltag üblichen Rollen-, Status- und Besitzverhältnissen ist“. Im Anschluss wird die dem Ritual zugrundeliegende Struktur am Beispiel des Sema-Rituals der Mevlevi-Derwische deutlich gemacht. Das rund 750 Jahre alte Ritual ist auf den islamischen Mystiker Rumi zurückzuführen. Die Untersuchung wird zeigen, dass das Strukturschema der Dreiteilung van Genneps entspricht aber auch die Phasen von Communitas und Liminalität zu finden sind. Hierzu wird der Ablauf des Rituals beschrieben und die einzelnen Phasen, die Struktur der Fläche sowie die Kleidung und ihre Symbolik in den theoretischen Kontext eingebettet.

Die komplette Arbeit finden Sie hier

Projekt Key Concepts in Interreligious Dialogue

Der Mensch ist Feind dessen, was er nicht kennt

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„Der Mensch ist Feind dessen, was er nicht kennt“, sagt eine altarabische Weisheit. Dem wirkt das interdisziplinäre Projekt Key Concepts in Interreligious Dialogue (KCID) entgegen. Es bildet ein innovatives Element zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit den drei verwandten monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Dafür unternimmt KCID eine begriffsgeschichtliche Untersuchung dieser drei Religionen im Verhältnis zueinander. Hierzu führt das Projekt auf einzigartige Weise international anerkannte Wissenschaftlicher zusammen, die sich durch ihre herausragende Kompetenz auf dem jeweiligen Fachgebiet auszeichnen. Mehr lesen…

Informationsflyer zum Projekt hier

„Glaube als Wahrheit – Sprengstoff für die Gesellschaft?“

Im Rahmen der KCID-Fachtagung „Faith and Truth in Judaism Christianity and Islam“ veranstaltete der Lehrstuhl für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft der FAU Erlangen Nürnberg am 28. September 2017 eine öffentliche Podiumsdiskussion. Die Podiumsteilnehmer waren:

Jüdische Perspektive: Prof. Dr. Stefan Schreiner, Professor für Judaistik an der Eberhard Karls Universität Tübingen

Christliche Perspektive: Dr. Katja Thörner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und KCID-Koordinatorin an der FAU Erlangen Nürnberg

Muslimische Perspektive: Prof. Dr. Tarek Badawia, Leiter der Nachwuchsforschergruppe „Norm, Normativität und Normenwandel II“ am Department für Islamisch-Religiöse Studien, FAU Erlangen Nürnberg

Nichtreligiös-philosophische Perspektive: Prof. em Dr. Jens Kulenkampff, Institut für Philosophie, FAU Erlangen Nürnberg

Geleitet wurde die Diskussion von Prof. Dr. Georges Tamer, Lehrstuhlinhaber der Orientalischen Philologie und Islamwissenschaft, FAU Erlangen Nürnberg

Podiumsdiskussion-Screenshot

Große Veranstaltung in Bonn: Spurensuche in Thora, Koran und Bibel

Auch dieses Jahr veranstalten Hillel DeutschlandRat Muslimischer Studierender & AkademikerAKH (Arbeitsgemeinschaft Katholischer Hochschulgemeinden)EUJS – European Union of Jewish Studentsund EUISA EU in Kooperation mit dem Café Abraham Deutschland ein Wochenende zur Spurensuche in Koran, Tora und Bibel. 

Unser Bundesvorsitzender El Hadi Khelladi wird die Veranstaltung gemeinsam mit dem Rabbiner Jona Simon vom Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk und dem KHG-Hochschulseelsorger Dr. Martin Rötting leiten.

Datum: 11. bis 13. November 2016
Ort: Bonn, Bad Godesberg

Genauere Informationen: http://www.fhok.de/veranstaltungen/seminare/die-schaetze-des-anderen-heben-spurensuche-in-thora-koran-und-bibel/

Wir wünschen ein frohes Fest!

Das Café Abraham wünscht allen Musliminnen und Muslimen ein gesegnetes und besinnliches Opferfest!

Das Fest geht auf Abraham zurück, der nach der koranischen Tradition bereit gewesen sein soll, für Gott seinen Sohn zu opfern. Im Koran steht, anders als in der Bibel, kein Name. Muslimische Gelehrte waren sich in der Geschichte uneins darüber, ob Ismael oder Isaak gemeint ist. Letzterer wird in der hebräischen Bibel explizit als dieser Sohn erwähnt. In der islamischen Tradition hat sich über die Jahrhunderte die Annahme durchgesetzt, dass es sich bei dem Sohn um Ismael und nicht Isaak gehandelt habe.

In den Traditionen von Judentum, Christentum und Islam gilt dieses Ereignis als Prüfung Gottes bezüglich des Gottvertrauens von Abraham. Weil dieser die Prüfung besteht, erlässt Gott ihm die Opferung des Sohnes. Nach der hebräischen Tradition erscheint dann ein Widder, das den Sohn ersetzen soll, im Koran ist von einem „großen Schlachttier“ die Rede, das den Sohn ausgelöst habe. Viele Muslime schlachten daher ein Lamm und verteilen Fleisch an Angehörige und Arme.

Ihr findet diese Erzählung im Koran in Sure 37,99–113 und in der Bibel in Genesis 22,1–19

Michael Blume zu Wolfgang Gedeon (AfD), die Protokolle der Weisen von Zion und die Gefährlichkeit von Verschwörungstheorien

Bildschirmfoto 2016-06-30 um 23.02.03Die „Protokolle der Weisen von Zion“ werden zu den verhängnisvollsten Fälschungen der Weltgeschichte gezählt. Angesichts der Äußerungen eines AfD-Landtagsabgeordneten zu einer angeblich „zionistisch-freimaurerischen Weltverschwörung“ klärte der Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume am 22.06.2016 bei der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) im jüdischen Gemeindezentrum Stuttgart über die Geschichte und Wirkung der „Protokolle“ auf.

BR-Beitrag zum Forschungsprojekt „Islam in Bayern“

Bildschirmfoto 2016-06-14 um 11.08.45.pngAm 10. Juni durfte unser Bundesvorsitzender Fabian Schmidmeier gemeinsam mit Prof. Mathias Rohe und Dr. Mahmoud Jaraba erste Ergebnisse des Forschungsprojekts „Islam in Bayern“ des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in der Europa (FAU) vorstellen. In einem Radiobeitrag des BR kommt er neben Prof. Rohe und Dr. Jaraba zu Wort

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Kommentiert: Die fragwürdigen „Islam-Analysen“ von Al Hayat TV – „Allah verbietet die Reform des Islam“

Abrahamic Studies

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Al Hayat TV ist ein Internetkanal, der vor allem durch Ex-Muslime betrieben wird. Vielen dieser Ex-Muslime ist in der Vergangenheit im Namen des Islam viel Leid angetan worden. Heute liefern sie Analysen, mit denen sie über das „wahre Gesicht“ des Islam aufklären möchten. Doch mit wissenschaftlicher Analyse hat das wenig zu tun.

Vielmehr greifen jetzt Seiten wie der Islamhasser-Blog Politically Incorrect gern auf diese Videos zurück. Diesen liefern die Protagonisten von Al Hayat TV, allen voran Sabatina James oder der Ex-Salafist Barino Barsoum, scheinbare Analysen islamischer Primärliteratur, die zum Beispiel die Falschbehauptung von Islamfeinden untermauern, dass Muslime eine „Erlaubnis zum Lügen“ (Taqiyya, was eigtl. eine andere Bedeutung hat) gegenüber Nichtmuslimen hätten. Bei einem neuen Video von Barino kann die bewusste Unsauberkeit in der Analyse verdeutlicht werden. Das Video heißt „Allah verbietet die Reform des Islam“. Im Titel steckt bereits das Ergebnis, das einem vernichtenden Urteil gleichkommt: Der Islam sei dazu…

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Warum wir für die Möglichkeit der Religiosität an Universitäten eintreten

Von Jad Lehmann-Abi Haidar (Avicenna-Studienwerk) und Fabian Schmidmeier (Hanns-Seidel-Stiftung)

Bei den Dialogperspektiven haben wir uns im Rahmen der Arbeitsgruppe „Religion und Gesellschaft im Diskurs: Herausforderungen, Kontroversen, Perspektiven“ unter Leitung von Prof. Musall mit dem Thema „Religion im öffentlichen Raum“ beschäftigt. Dies umfasste dabei auch die Diskussion um Beschneidung, Schächtung und das Tragen des Kopftuchs – allesamt Beispiele von öffentlichen Debatten, die im Rahmen von hegemonialen Strukturen ausgetragen werden, in denen die Machtverhältnisse nicht ausgewogen sind. Ein Fallbeispiel, mit dem sich unsere Gruppe näher beschäftigt hat, ist die Debatte um „Räume der Stille“ an deutschen Universitäten. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Ort, der offen sein soll für Rückzug, Meditation, Besinnung, Gebete und weitere rituelle Handlungen.

Artikel 4 GG, Absatz 2: Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

Debatte um Gebetsräume

Zu Beginn dieses Jahres richtete sich die mediale Aufmerksamkeit auf die TU Dortmund, nachdem dort der „Raum der Stille“ ausschließlich als Gebetsraum zweckentfremdet wurde. Im Laufe dieser Debatte um Neutralität öffentlicher Räume, Geschlechterrollen und religiöse Artikulation entschloss sich die Universitätsleitung zur Schließung des Raumes. Der Fokus der medialen Berichterstattung richtete sich in der Folgezeit zunehmend auf die generelle Frage, ob religiöse Artikulation im Hochschulalltag Platz haben sollte.

Unserer Meinung nach besteht dieser Bedarf: Die religiöse und kulturelle Diversität  der Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an deutschen Universitäten nimmt seit vielen Jahren stetig zu. Existieren diese Räume nicht, können sie ihre religiöse Praxis nicht ausüben oder weichen auf nicht dafür geeignete Orte wie z.B. Bibliotheken und Hausflure aus. Für uns ist die Frage nicht ob, sondern wie solch ein Raum konzipiert werden kann – ein Konzept, das religiöse und weltanschauliche Pluralität anerkennt und gleichzeitig Aushandlungsprozesse zulässt und fördert. Wir haben uns auf folgende Grundsätze verständigt:

Hier das Konzept als PDF: Räume der Stille an Universitäten – ein Angebot zur Entschärfung der öffentlichen Diskussion um Religion in Deutschland

Für gelebte Religiosität im säkularen Rahmen

Deutschland ist ein säkularer Staat, so wie die Universitäten säkulare Räume sind. Doch diese Säkularität heißt nicht Religionslosigkeit oder gar –feindlichkeit. Säkularität im deutschen Sinne heißt religionsoffene Neutralität und Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften. Religiöse Menschen streifen ihre Religiosität nicht mit dem Betreten der Universitäten ab. Die gänzliche Verbannung von Religiosität aus Universitäten empfinden wir als eine Form der Diskriminierung. Glaubende und Nichtglaubende sollte also gleichermaßen ihren Platz in einer säkularen Universität haben, weil sie gleichermaßen zu dieser Gesellschaft gehören. Daher werben wir für dieses Konzept und für Räume der Stille an deutschen Universitäten.